Nach dem Regen stinkt der Gartenteich – aufgewirbelter Faulschlamm als Ursache

Es ist ein Muster, das viele kennen, aber nicht gleich einordnen können: Das Gewitter zieht durch, die Luft riecht nach Regen, und dann – am Gartenteich angekommen – schlägt einem ein unangenehmer, muffig-fauliger Geruch entgegen. Dabei war der Teich vorher vollkommen unauffällig. Was hat der Regen damit zu tun?

Mehr als man denkt. Und das Interessante ist, dass der Regen selbst gar nicht das Problem ist – er macht nur sichtbar, was längst da war.

Was beim Regen im Teich passiert

Starker Regen trifft mit einiger Kraft auf die Teichoberfläche. Diese mechanische Energie überträgt sich auf das Wasser und erzeugt Turbulenzen, die bis zum Boden reichen – besonders in flacheren Teichen. Der Boden wird aufgewirbelt, Sediment und Schlamm werden in Bewegung gebracht.

In genau diesem Schlamm am Boden sitzen die anaeroben Abbauprodukte, die sich still über Wochen und Monate aufgebaut haben: Schwefelwasserstoff, organische Säuren, Methan. Solange der Schlamm unberührt am Boden liegt, bleiben diese Gase dort eingeschlossen. Wird er aufgewirbelt, steigen sie auf – und man riecht sie.

Das ist kein neues Problem, das der Regen erzeugt. Es ist ein bestehendes Problem, das der Regen kurz sichtbar macht.

Warum es manchmal nach Regen schlimmer riecht als sonst

Das hängt davon ab, wie viel Faulschlamm bereits am Boden liegt und wie intensiv der Regen war. Ein kurzer Schauer bei einem gut gepflegten Teich ohne nennenswerte Schlammschicht hinterlässt kaum einen Geruch. Ein kräftiges Sommergewitter bei einem Teich, der seit Jahren nicht abgesaugt wurde, kann dagegen für Stunden intensiven Gestank produzieren.

Dazu kommt ein zweiter Effekt: Regen spült Oberflächenwasser aus dem Garten in den Teich. Mit dem Wasser kommen Erde, Düngerpartikel, abgestorbene Pflanzenteile und andere organische Substanzen ins Teichwasser – das erhöht kurzfristig die Nährstofflast und kann ebenfalls zu einer leichten Trübung und einem muffigen Geruch führen.

Was der Geruch nach Regen über den Teichzustand verrät

Wenn der Teich nach jedem kräftigen Regen deutlich riecht, ist das ein verlässliches Zeichen dafür, dass eine nennenswerte Faulschlammschicht am Boden vorhanden ist. Der Geruch ist gewissermaßen ein Diagnosewerkzeug, das man kostenlos bekommt – wenn man weiß, wie man es liest.

Ein Teich mit sauberem Boden und wenig Sediment reagiert auf Regen kaum mit Geruch. Wer das als Ziel hat, weiß, dass mechanisches Absaugen – einmal jährlich im Frühjahr – der wichtigste Eingriff ist, um diesen Zustand zu erreichen und zu halten.

Was man nach dem Regen tun kann

Direkt nach dem Gewitter: nichts überstürzen. Der aufgewirbelte Schlamm setzt sich innerhalb weniger Stunden wieder ab. Der Geruch wird von selbst nachlassen, sobald das passiert ist.

Wenn der Geruch nach einem Tag noch anhält oder besonders intensiv war, lohnt es sich, den Filter zu kontrollieren. Aufgewirbeltes Sediment belastet den Filter kurzfristig stärker, und wenn er ohnehin schon etwas verstopft war, kann er nach starkem Regen schneller an seine Grenzen stoßen.

Ein Teilwasserwechsel von 10 bis 15 Prozent kann helfen, die Nährstofflast zu senken, die durch den Regeneinfluss gestiegen ist – besonders wenn der Teich nahe an Beeten oder Rasen liegt, von wo Dünger oder Erde eingespült wird.

Und wer nach dem zweiten oder dritten Regen-Geruch in derselben Saison merkt, dass sich das Muster wiederholt, sollte den Teichschlammsauger heraussuchen. Nicht weil der Regen schuld ist – sondern weil der Boden des Teichs offensichtlich sagt, dass er Aufmerksamkeit braucht.