Das Einwintern des Teichs ist eine der Aufgaben, die viele Teichbesitzer auf die lange Bank schieben – und die dann im nächsten Frühjahr für eine unangenehme Überraschung sorgen. Ein Teich, der im Oktober fünf Minuten Aufmerksamkeit bekommen hätte, riecht im April nach Wochen vernachlässigten Verfalls. Der Zusammenhang ist direkt, aber er zeigt sich mit Verzögerung – und deshalb wird er so oft unterschätzt.
Der größte Fehler: kein Teichnetz
Laub ist der wichtigste Schlammproduzent im Gartenteich. Das klingt banal, hat aber eine bemerkenswerte biologische Konsequenz: Ein einziger Herbst ohne Teichnetz kann mehr organisches Material in den Teich bringen als ein ganzes Jahr Fischkot und Futterreste zusammen.
Laub, das ins Wasser fällt, sinkt auf den Boden und bildet dort über den Winter eine dicke, nasse Schicht. Diese Schicht wird kaum abgebaut – es ist zu kalt, die Bakterien arbeiten kaum. Stattdessen fermentiert das Laub anaerob und produziert Faulschlamm, Schwefelwasserstoff und andere Verbindungen, die im Frühjahr als Geruch aufsteigen.
Ein gutes Teichnetz, das ab Anfang Oktober über dem Teich gespannt wird, hält das meiste Laub draußen. Es muss regelmäßig geleert werden – aber das dauert keine fünf Minuten – und es ist die einfachste Investition für einen geruchsarmen Frühling.
Pflanzen falsch schneiden
Viele Teichpflanzen – Schilf, Rohrkolben, Binsen – werden im Herbst zurückgeschnitten. Das ist richtig. Aber wo landen die abgeschnittenen Pflanzenteile? Wer sie einfach ins Wasser fallen lässt oder am Teichrand liegen lässt, von wo sie beim nächsten Regen ins Wasser gespült werden, erzeugt dieselbe organische Last wie das Laub.
Abgeschnittenes Pflanzenmaterial gehört kompostiert, nicht in den Teich. Und: Nicht zu tief schneiden. Viele Pflanzen überwintern besser, wenn man die Stiele auf 10 bis 15 Zentimeter über dem Wasserstand stehen lässt. Zu tiefer Rückschnitt im Herbst kann Fäulnis ins Innere der Pflanzen bringen.
Die Pumpe zu früh abstellen
Die Frage, ab wann man die Teichpumpe im Herbst abstellen sollte, wird unterschiedlich beantwortet. Die Faustregel lautet: unter 10 Grad Wassertemperatur sollte die Pumpe auf Mindestleistung laufen oder in eine tiefere Position abgesenkt werden, um den Teich nicht vollständig umzuwälzen.
Was man aber nicht tun sollte: die Pumpe im September komplett abschalten, weil es mal kühl war. Solange die Wassertemperatur noch über 10 Grad liegt, sind Filterbakterien aktiv und arbeiten. Wer die Pumpe zu früh abstellt, beendet diese biologische Reinigungsphase vorzeitig – und lässt organisches Material unkontrolliert am Boden akkumulieren.
Den Filter vor dem Winter zu gründlich reinigen
Ein Fehler, der paradoxerweise aus gutem Willen entsteht: Der Filter wird im Herbst komplett gereinigt und dabei sterilisiert. Ergebnis: Die Bakterienkolonien, die sich über den Sommer aufgebaut haben, sind vernichtet.
Im Winter ist das noch kein Problem, weil der Filter ohnehin kaum läuft. Aber im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen und der Teich wieder biologisch aktiv wird, fehlen die Bakterien. Die Einlaufphase dauert Wochen, in denen der Teich anfälliger für Geruch und Wasserqualitätsprobleme ist.
Besser: Den Filter im Herbst nur oberflächlich reinigen – grobe Verschmutzungen entfernen, aber das Filtermaterial nicht mit Leitungswasser durchspülen. Die Bakterien sollen erhalten bleiben, auch wenn sie im Winter kaum arbeiten.
Kein Eisfreihalter
In Teichen mit Fischbesatz ist das Zufrieren der Oberfläche ein ernstes Problem – nicht wegen der Kälte selbst, sondern wegen der Gasaustausch-Unterbrechung. Unter einer geschlossenen Eisschicht können Faulgase nicht entweichen und Sauerstoff kommt nicht ins Wasser. Das schädigt nicht nur die Fische, sondern fördert anaerobe Prozesse unter dem Eis, die im Frühjahr als Geruch aufsteigen.
Ein einfacher Eisfreihalter – oder alternativ ein kleiner Teichbelüfter, der eine offene Stelle hält – ist bei Fischbesatz keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Was gutes Einwintern konkret bedeutet
Teichnetz ab Oktober gespannt, Laub täglich oder alle paar Tage entfernen. Pflanzenreste konsequent aus dem Teich herausnehmen. Pumpe auf Mindestleistung, aber nicht abschalten, solange es noch warm genug ist. Filter schonend pflegen, nicht sterilisieren. Bei Fischbesatz Eisfreihalter bereithalten.
Das ist kein großer Aufwand – aber der Teich gibt es im nächsten Frühling zurück. Mit klarem Wasser und ohne Geruch, der einen schon beim Betreten des Gartens empfängt.
