Gartenteich stinkt im Sommer – wenn Hitze das Wasser kippen lässt

Man hat den Teich im Frühjahr sauber gemacht, der Filter läuft, das Wasser war noch Anfang Juni klar und geruchlos. Und dann kommen zwei Wochen mit Temperaturen über 30 Grad – und plötzlich riecht es. Morgens am stärksten, wenn man den Garten betritt und noch bevor man den Teich sieht, die Nase schon Bescheid weiß.

Dieser Sommer-Geruch ist eine eigene Kategorie. Er entsteht aus einer Kombination von Faktoren, die alle gleichzeitig in die falsche Richtung laufen, sobald es wirklich heiß wird. Und wer ihn einmal hatte, ist in der Regel motiviert, beim nächsten Hitzesommer früher gegenzusteuern.

Was Hitze mit dem Teichwasser macht

Warmes Wasser kann physikalisch weniger Sauerstoff halten als kaltes. Das ist der Kernpunkt, von dem fast alles andere abhängt. Bei 10 Grad Wassertemperatur liegen rund 11 mg/l gelöster Sauerstoff im Wasser – bei 28 Grad sind es nur noch etwa 7,8 mg/l. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, ist es aber nicht: Der Sauerstoffverbrauch aller Lebewesen im Teich steigt gleichzeitig mit der Temperatur.

Fische sind aktiver und brauchen mehr Sauerstoff. Bakterien arbeiten schneller und verbrauchen dabei ebenfalls Sauerstoff. Der organische Abbau beschleunigt sich. Das Wasser ist gleichzeitig wärmer und trägt weniger Sauerstoff – das ist die klassische Sommerfalle.

In dieser Situation reicht oft ein einziger Zusatzfaktor, um den Teich aus dem Gleichgewicht zu bringen: eine Nacht ohne Wind, eine besonders lange Hitzephase, eine kurze Pumpenpause. Und schon riecht es am Morgen nach faulen Eiern.

Nachts passiert das Entscheidende

Ein Detail, das viele nicht kennen: Der kritischste Zeitpunkt bei Sommerhitze ist nicht der heiße Mittag, sondern die zweite Nachthälfte. Tagsüber produzieren Unterwasserpflanzen und Algen durch Photosynthese Sauerstoff – das gleicht den erhöhten Verbrauch teilweise aus. Nachts dreht sich das Verhältnis komplett um: Alle Organismen verbrauchen Sauerstoff, niemand produziert ihn.

Wenn dazu noch eine dichte Algenblüte im Teich ist – was im Sommer häufig vorkommt – wird die Situation noch angespannter. Algen verbrauchen nachts erheblich mehr Sauerstoff als ein Teich ohne Algenwachstum. Wer morgens Fische an der Oberfläche schnappen sieht, hat meistens genau dieses Nacht-Sauerstofftief erlebt.

Was man konkret tun kann

Das Wirksamste bei Sommerhitze ist gute Wasserumwälzung und Belüftung. Ein Teichbelüfter, der am Boden Luft einbläst, ist in dieser Jahreszeit kein Nice-to-have, sondern eine echte Absicherung – besonders bei Fischbesatz.

Wer keine dauerhafte Belüftung betreibt, kann den Gartenschlauch nutzen: Wasser von oben in den Teich laufen lassen erzeugt Turbulenzen an der Oberfläche und bringt sofort etwas Sauerstoff ins System. Das ist eine Notlösung, aber eine schnelle.

Teilwasserwechsel helfen ebenfalls – aber nur mit abgestandenem Wasser. Wer in der Hitze frisches Leitungswasser nachfüllt, bringt Chlor ins System, das die Filterbakterien schwächt. Wasser über Nacht in einem offenen Behälter stehen lassen, bevor man es einfüllt.

Fütterung im Hochsommer deutlich reduzieren. Futterreste, die nicht gefressen werden, zersetzen sich schnell und erhöhen die organische Last in einem Moment, in dem der Teich ohnehin am Limit ist.

Wann ein Teich im Sommer besonders gefährdet ist

Kleine, flache Teiche erwärmen sich deutlich schneller als tiefe und haben weniger Wasservolumen als Puffer. Ein Teich mit 500 Litern Inhalt und 40 Zentimetern Tiefe kann bei direkter Sonneneinstrahlung innerhalb weniger Tage auf 28 bis 30 Grad aufheizen – ein Niveau, bei dem kaum noch Sauerstoff im Wasser bleibt.

Wer einen solchen Teich hat und mit Geruchsproblemen im Sommer kämpft, sollte über Schattierung nachdenken – ein Sonnensegel, eine Seerose, die die Oberfläche beschattet, oder einfach eine andere Positionierung beim nächsten Umbau. Direkte Sonneneinstrahlung über den gesamten Tag ist für kleinere Teiche biologisch kaum zu bewältigen, egal wie gut Filter und Belüftung laufen.

Der Sauerstoffmangel im Sommer ist kein unvermeidbares Schicksal – aber er erfordert etwas Aufmerksamkeit genau dann, wenn man eigentlich lieber entspannt im Garten sitzt.