Laub im Teich – unterschätzte Ursache für Faulschlamm und Gestank

Es gibt eine Situation, die sich jedes Jahr wiederholt: Der Herbst kommt, die Blätter fallen, und irgendwo in der Nähe des Teichs steht ein Baum. Oder zwei. Vielleicht auch eine Hecke, die im Oktober loslässt. Das Laub landet im Wasser, sinkt auf den Boden – und wird vergessen.

Im nächsten Frühjahr oder Sommer riecht der Teich dann plötzlich intensiver als die Jahre davor. Der Zusammenhang ist da, aber er liegt vier bis sechs Monate zurück. Wer nicht weiß, wonach er suchen soll, findet ihn nicht.

Was Laub im Teich anrichtet

Laub ist organisches Material. Wenn es ins Wasser fällt und auf den Boden sinkt, beginnt es zu zersetzt zu werden – zunächst von aeroben Bakterien, die dabei Sauerstoff verbrauchen. Je mehr Laub, desto mehr Sauerstoffverbrauch. In dieser Phase kann bereits das Teichgleichgewicht unter Druck geraten.

Mit der Zeit, wenn sich das Laub in tieferen Schichten oder unter dem bestehenden Sediment befindet, schwindet der Sauerstoff. Anaerobe Bakterien übernehmen den Abbau – und produzieren dabei Schwefelwasserstoff. Der Faulschlamm, der so entsteht, riecht typisch schwefelig-faulig und kann sich über mehrere Herbste zu einer erheblichen Schicht aufbauen.

Ein einzelner Herbst mit ungedecktem Teich kann dabei mehr organisches Material einbringen als Fischkot und Futterreste eines ganzen Jahres zusammen. Das ist keine Übertreibung, sondern eine Relation, die viele Teichbesitzer unterschätzen.

Warum der Geruch oft zeitversetzt auftritt

Das Laub fällt im Oktober. Der Teich riecht im Mai. Das klingt wie kein Zusammenhang – ist aber einer.

Im Winter ist die biologische Aktivität im Teich weitgehend eingefroren. Die Bakterien arbeiten kaum, das Laub liegt unverändert am Boden. Erst wenn die Wassertemperaturen im Frühjahr steigen, erwacht die biologische Aktivität wieder. Und dann beginnt der Abbau des über den Winter angesammelten Materials – mit allen Konsequenzen für den Geruch.

Wer dieses Muster kennt und im Herbst ein Teichnetz gespannt hat, beobachtet im Frühling kaum Geruch. Wer es nicht getan hat, wundert sich über einen Teich, der nach dem Winter deutlich schlechter riecht als im vergangenen Herbst.

Nicht alle Laubarten sind gleich

Ein Detail, das viele nicht wissen: Verschiedene Laubarten belasten den Teich unterschiedlich stark.

Eichenlaub und Walnusslaub sind besonders problematisch. Eichenlaub enthält Gerbstoffe, die das Wasser ansäuern und die Filterbakterienpopulation belasten können. Walnusslaub enthält Juglone – eine Substanz, die für viele Wasserpflanzen und auch für Fische toxisch sein kann. Wer einen Walnussbaum in Teichnähe hat, sollte das besonders ernst nehmen.

Buchenblaub und Ahornlaub sind weniger aggressiv, bauen sich aber trotzdem zu Faulschlamm ab und sollten nicht massenhaft im Teich landen.

Nadellaub – Kiefernadeln, Tannennadeln – ist ebenfalls unerwünscht. Es zersetzt sich langsamer als Laubbäume, bleibt aber lange im Wasser und gibt dabei Harzsäuren ab, die den pH-Wert senken können.

Was man konkret tun kann

Das Teichnetz im Herbst ist die einzige wirklich effektive Vorbeugemaßnahme. Es wird vor dem ersten großen Laubfall gespannt – in Deutschland oft Anfang bis Mitte Oktober – und bleibt bis der Laubfall abgeschlossen ist, also etwa bis Ende November. Regelmäßig leeren, damit es nicht unter der Last einsinkt.

Wer kein Netz hat oder zu spät dran war, sollte das Laub so schnell wie möglich mit einem Kescher aus dem Wasser holen – bevor es auf den Boden sinkt. Laub, das noch an der Oberfläche treibt, ist deutlich einfacher zu entfernen als Laub, das sich bereits in der Sedimentschicht eingebettet hat.

Was bereits am Boden liegt, gehört im Frühjahr abgesaugt – zusammen mit dem restlichen Faulschlamm. Wer das zur jährlichen Routine macht, hält die Schlammschicht dauerhaft in einem handhabbaren Rahmen.

Und wer in der Planung noch flexibel ist: Bäume mit direktem Überhang über dem Teich sind langfristig ein permanentes Laubproblem. Etwas Abstand oder eine kluge Positionierung des Teichs spart über die Jahre erheblich Arbeit – und viele Geruchsprobleme.