Pflanzen sind gut für den Teich – das ist eine der grundlegenden Überzeugungen, die sich unter Teichbesitzern hält. Und sie stimmt, grundsätzlich. Pflanzen produzieren Sauerstoff, entziehen dem Wasser Nährstoffe, bieten Fischen Schutz und halten Algen in Schach. Aber diese Überzeugung hat einen blinden Fleck: Ab einem gewissen Punkt wird der Pflanzenbestand selbst zum Problem.
Wer das nicht kennt, fragt sich irgendwann, warum sein Teich trotz üppiger Bepflanzung riecht und warum das Wasser sich verschlechtert, obwohl eigentlich alles nach Lehrbuch läuft.
Was passiert, wenn Pflanzen überhandnehmen
Ein Teich, dessen Wasserfläche zu mehr als der Hälfte von Schwimmpflanzen – Seerosen, Schwimmfarn, Wasserlinsen – bedeckt ist, bekommt ein Lichtproblem. Unterwasserpflanzen, die auf Licht für die Photosynthese angewiesen sind, bekommen es nicht mehr. Sie beginnen abzusterben. Die absterbenden Pflanzenteile sinken auf den Boden und werden zu organischem Material – sprich: zukünftigem Faulschlamm.
Gleichzeitig reduziert eine geschlossene Pflanzendecke den Gasaustausch an der Wasseroberfläche. Weniger Sauerstoff gelangt ins Wasser, weniger Kohlendioxid entweicht. Das begünstigt anaerobe Prozesse am Boden – und die produzieren Geruch.
Wasserlinsen sind ein besonders häufiges Beispiel. Sie vermehren sich exponentiell, bedecken innerhalb weniger Wochen die gesamte Oberfläche und schaffen darunter sauerstoffarme Bedingungen. Ein Teich, der unter einer geschlossenen Wasserlinsen-Decke liegt, entwickelt fast zuverlässig einen muffigen Geruch.
Abgestorbene Pflanzenteile als Geruchsquelle
Schilf, Rohrkolben und andere Uferpflanzen wachsen im Sommer kräftig. Im Herbst sterben die oberirdischen Teile ab, fallen ins Wasser und beginnen zu faulen. Wer diese Pflanzenreste nicht regelmäßig herausnimmt, fügt dem Teich jährlich eine erhebliche Menge organisches Material hinzu – direkt auf dem Weg zur Schlammschicht.
Das ist kein seltenes Problem. Viele Teiche haben Schilf oder Rohrkolben, der elegant und natürlich aussieht – und im Hintergrund konstant organisches Material liefert. Der Teich riecht nicht, weil irgendetwas schiefgelaufen ist, sondern weil das System schlicht zu viel Input bekommt, den es nicht verarbeiten kann.
Wann Unterwasserpflanzen zum Problem werden
Auch Unterwasserpflanzen können überhandnehmen. Wasserpest und Hornkraut wachsen schnell und können in einem dichten Teppich den gesamten Teichboden bedecken. In dieser Dichte entstehen tiefe, sauerstoffarme Zonen unter dem Pflanzenteppich – ähnlich wie bei einer Schlammschicht.
Zudem produzieren dichte Unterwasserpflanzenbestände nachts erheblich mehr Kohlendioxid als ein normaler Teich. In der zweiten Nachthälfte kann das den pH-Wert kurzfristig absenken und das Sauerstoffgleichgewicht stören. Wer also morgens einen leichten Geruch wahrnimmt und keinen anderen Auslöser findet, sollte auch den Pflanzenbestand im Blick haben.
Wie viel Pflanzenmasse ist sinnvoll
Als grobe Orientierung gilt: Schwimmpflanzen sollten höchstens 50 bis 60 Prozent der Wasseroberfläche bedecken. Uferpflanzen wie Schilf brauchen regelmäßige Kontrolle und sollten nicht unkontrolliert in den Teich hineinwachsen.
Unterwasserpflanzen dürfen üppig wachsen, aber sobald sie den Teichboden flächendeckend bedecken, ist Ausdünnen sinnvoll – am besten im Frühjahr, wenn der Wuchs noch moderat ist.
Abgestorbenes Pflanzenmaterial gehört konsequent entfernt. Was nicht im Teich verrottet, muss nicht aufwendig aus dem Schlamm gesaugt werden. Das ist der einfachste Hebel – und er wird am häufigsten vergessen.
Ein gut bepflanzter Teich ist kein maximal bepflanzter Teich. Die Balance zwischen Pflanzen, Wasser und biologischer Kapazität ist das Ziel – nicht möglichst viel Grün.
