Wasserwerte messen – so findest du die Ursache des Gestanks

Wer beim stinkenden Teich einfach irgendetwas ins Wasser kippt und hofft, dass es hilft, verschwendet Zeit und Geld. Das klingt hart, aber die Realität ist: Ohne zu wissen, was im Wasser eigentlich nicht stimmt, ist jede Maßnahme mehr Raten als Handeln. Wasserwerte zu messen dauert keine zehn Minuten – und liefert Antworten, die sonst keiner kennt.

Das Gute: Man braucht dafür kein Labor. Einfache Testsets gibt es im Fachhandel, und die wichtigsten Parameter lassen sich mit Teststreifen oder Tropftests in wenigen Minuten bestimmen. Was man wirklich messen sollte – und was die Ergebnisse bedeuten – ist eine andere Frage.

Die wichtigsten Wasserwerte bei Geruchsproblemen

Ammonium und Ammoniak (NH₄⁺ / NH₃)
Ammonium entsteht als Stoffwechselprodukt von Fischen und beim biologischen Abbau organischer Substanzen. In niedrigen Konzentrationen ist es für den Teich handhabbar – der biologische Filter wandelt es in Nitrit und dann in Nitrat um. Wenn dieser Prozess gestört ist – etwa weil der Filter überlastet oder frisch gereinigt wurde – steigt Ammonium an.

Erhöhtes Ammonium ist kein direkter Geruchsauslöser, aber ein Hinweis darauf, dass die biologische Filterleistung nicht ausreicht. Das schafft ein Milieu, in dem andere Probleme – darunter anaerobe Prozesse und Faulgeruch – leichter entstehen. Bei pH-Werten über 8 wandelt sich Ammonium zunehmend in das giftigere Ammoniak um.

Nitrit (NO₂⁻)
Nitrit ist das Zwischenprodukt beim Abbau von Ammonium. In einem gut eingelaufenen Teich sollte es kaum messbar sein – die Bakterien, die Nitrit weiterverarbeiten, arbeiten normalerweise schnell genug. Wenn Nitrit erhöht ist, ist die Nitrifikation gestört. Das passiert typischerweise nach einer zu gründlichen Filterreinigung, nach dem Einsatz von Leitungswasser oder in der Einlaufphase eines neuen Teichs.

pH-Wert
Der pH-Wert gibt an, ob das Wasser sauer oder basisch ist. Für die meisten Gartenteiche ist ein Bereich von 7,0 bis 8,5 ideal. Starke Schwankungen im Tagesverlauf – morgens tiefer, abends höher – deuten auf starkes Algenwachstum hin, da Algen tagsüber CO₂ verbrauchen und den pH anheben.

Ein dauerhaft niedriger pH-Wert kann die Filterbakterien beeinträchtigen und die biologische Reinigungsleistung senken – was wiederum Geruchsprobleme begünstigt.

Gesamthärte und Karbonathärte (GH / KH)
Diese Werte interessieren viele erst dann, wenn andere Probleme auftauchen – dabei sind sie für die Stabilität des pH-Werts entscheidend. Eine ausreichend hohe Karbonathärte (mindestens 5 bis 6 °dH) puffert den pH-Wert und verhindert starke Schwankungen. Wer weiches Regenwasser oder sehr weiches Leitungswasser einfüllt, kann unbewusst das pH-Gleichgewicht destabilisieren.

Leitungswasser als unterschätzte Fehlerquelle

Ein Zusammenhang, der in den meisten Ratgebern zu kurz kommt: Wer seinen Teichstand regelmäßig mit Leitungswasser auffüllt, bringt dabei Chlor ins Wasser. Chlor tötet nicht nur Krankheitserreger, sondern auch die nützlichen Filterbakterien im Teich und im Filter.

Wenn nach dem Wassernachfüllen der Teich plötzlich riecht oder das Wasser trüb wird, ist das nicht selten der Chlorgehalt des Leitungswassers, der die Biologie des Teichs kurzzeitig aus dem Gleichgewicht bringt. Abhilfe: Wasser vor dem Einfüllen in einem offenen Behälter mindestens 24 Stunden stehen lassen, damit das Chlor ausgasen kann. Oder Regenwasser verwenden, sofern sauber verfügbar.

Wann Messen besonders sinnvoll ist

Bei einem akuten Geruchsproblem ohne erkennbaren Auslöser ist ein schneller Wassertest der sinnvollste erste Schritt – noch vor dem Kauf von Mitteln oder dem Starten großer Reinigungsaktionen. Wenn Ammonium oder Nitrit erhöht sind, ist die biologische Filterkette das Problem. Wenn die Werte unauffällig sind, liegt die Ursache woanders – etwa im Faulschlamm am Boden oder im überlasteten Filter.

Nach dem Einsetzen von Teichbakterienpräparaten lohnt sich eine Kontrollmessung nach zwei bis drei Wochen: Wenn Ammonium und Nitrit sinken, arbeiten die Bakterien. Wenn nicht, stimmt entweder die Temperatur, der Sauerstoffgehalt oder die Menge des eingesetzten Präparats nicht.

Und wer einen neuen Teich anlegt oder nach einer großen Reinigung neu startet, sollte in den ersten Wochen regelmäßig messen – in der Einlaufphase schwanken die Werte erheblich, und wer das früh erkennt, kann rechtzeitig gegensteuern, bevor der Teich kippen kann.

Für die passenden Wassertestsets für den Gartenteich gibt es mittlerweile eine gute Auswahl, die auch für Einsteiger einfach zu handhaben ist.