Blaualgen und Fadenalgen im Teich – wenn Algen zum Gestank führen

Nicht jeder Algengeruch ist gleich – und wer das versteht, hat einen echten Vorteil bei der Problemlösung. Während Schwebealgen das Wasser grün und trüb färben, bringen Blaualgen und Fadenalgen ihre eigenen charakteristischen Gerüche mit. Die Reaktion auf beide ist unterschiedlich, und wer sie verwechselt, greift am Ende zu den falschen Mitteln.

Blaualgen – kein Algengeruch, sondern Cyanobakterien

Zuerst eine wichtige Richtigstellung: Blaualgen sind biologisch gesehen keine Algen, sondern Cyanobakterien – einzellige Mikroorganismen, die zur Urform des Lebens auf der Erde gehören. Der Name ist historisch gewachsen, aber irreführend. Das ist nicht nur akademisch interessant, sondern hat praktische Konsequenzen: Sie reagieren auf andere Bedingungen als echte Algen und brauchen entsprechend andere Maßnahmen.

Ihr Geruch ist charakteristisch: faulig-süßlich, manchmal erdig, manchmal ein bisschen wie nasser Boden nach Regen. Er ist deutlich zu unterscheiden vom schwefligen Faulschlamm-Geruch. Wer diesen Geruch am Teich wahrnimmt und gleichzeitig bläulich-grüne Schlieren, einen öligen Film auf der Oberfläche oder blaugrüne Ablagerungen am Rand sieht, hat es sehr wahrscheinlich mit Cyanobakterien zu tun.

Blaualgen treten bevorzugt im Hochsommer bei langer Sonneneinstrahlung, hohen Temperaturen und nährstoffreichem Wasser auf. Sie können sich innerhalb weniger Tage massenhaft vermehren und dabei die gesamte Wasseroberfläche überziehen.

Was man bei Blaualgen tun kann

Das Schwierige an Cyanobakterien: Sie sind sehr robust. Viele Algizide, die gegen Grünalgen wirken, zeigen bei Blaualgen kaum Effekt. Chemische Mittel sollten ohnehin vermieden werden, weil absterbende Blaualgen Toxine freisetzen können – das macht den Einsatz aggressiver Mittel riskant.

Was wirklich hilft: die Nährstoffbasis entziehen. Phosphat ist der wichtigste Treibstoff für Cyanobakterienwachstum. Regelmäßige Teilwasserwechsel, Faulschlamm entfernen und überschüssige Fütterung einschränken sind die wichtigsten Hebel. Zusätzlich kann der Einsatz von Phosphatbindern kurzfristig helfen.

Belüftung ist ebenfalls sinnvoll: Blaualgen bevorzugen warmes, stehendes Wasser mit wenig Durchmischung. Ein Teichbelüfter, der das Wasser umwälzt und die Temperatur an der Oberfläche leicht senkt, verschlechtert ihre Wachstumsbedingungen.

Fadenalgen – lästig, aber nicht gefährlich

Fadenalgen sehen ganz anders aus: Sie bilden grüne, watteähnliche Büschel oder dichte Matten, die sich von Steinen, dem Teichrand oder vom Boden aus ins Wasser ausbreiten. Im Gegensatz zu Blaualgen sind sie für Fische und andere Teichbewohner in der Regel ungefährlich.

Solange Fadenalgen wachsen und grün sind, riechen sie kaum. Der Geruch entsteht vor allem, wenn sie in großen Mengen absterben – dann sinken die verwesenden Matten auf den Boden und beginnen zu faulen. Das kann intensiv riechen und zusätzlichen Faulschlamm produzieren.

Was bei Fadenalgen hilft

Die mechanische Entfernung ist die direkteste Methode: Mit einem Besenstiel oder einem Rechen kann man die Matten aus dem Wasser drehen und herausnehmen. Das ist keine dauerhafte Lösung, aber kurzfristig wirksam und verhindert, dass die Algen am Boden verrotten.

Langfristig helfen auch hier dieselben Maßnahmen wie gegen andere Algenarten: Nährstoffe reduzieren, Unterwasserpflanzen als Konkurrenz stärken. Tannenwedel, Wasserpest und Hornkraut entziehen dem Wasser aktiv Nährstoffe und machen es Fadenalgen damit schwerer.

Ein weniger bekannter Trick: Gerste- oder Leinenstroh im Netz im Teich, das langsam zersetzt wird, setzt Substanzen frei, die das Algenwachstum hemmen. Das klingt nach Hausmittel, hat aber biologische Grundlage – allerdings wirkt es langsam und sollte eher als ergänzende Dauermaßnahme gesehen werden, nicht als Sofortlösung.

Der Unterschied bei der Reaktion

Wer bei Schwebealgen oft einen UV-Klärer als wirksames Mittel einsetzt, sollte wissen: Bei Fadenalgen hilft er kaum, weil diese zu groß sind, um durch den UV-Klärer zu laufen. Bei Blaualgen ist der Einsatz umstritten und sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Die richtige Diagnose – was für ein Algentyp ist das eigentlich? – ist also nicht unwichtig.

Die einfachste Unterscheidung: Trübt das Wasser sich grün? Schwebealgen. Sieht man bläulich-grüne Schlieren oder ölige Filme? Blaualgen. Gibt es grüne, wattige Fäden? Fadenalgen. Oft kommen auch mehrere Typen gleichzeitig vor – dann hilft es, die Maßnahmen entsprechend zu kombinieren.