Es gibt diesen einen Moment im Frühsommer, den viele Teichbesitzer kennen: Man schaut morgens auf den Teich – und das Wasser ist grün. Nicht leicht grünlich, sondern wirklich grün, fast wie Erbsensuppe. Und dazu kommt ein Geruch, der schwer zu beschreiben ist: leicht modrig, ein bisschen fischig, insgesamt einfach unangenehm. Was ist da plötzlich passiert?
Fast immer ist die Antwort: Schwebealgen. Einzellige Algen, die sich im Wasser explosionsartig vermehren und ihm diese charakteristische grüne Färbung geben. Das Phänomen ist extrem verbreitet, trotzdem verstehen viele nicht genau, warum es passiert – und warum es trotz Gegenmittel manchmal immer wiederkommt.
Warum Schwebealgen explodieren
Schwebealgen lieben Nährstoffe und Licht. Beides ist im Frühjahr und Frühsommer reichlich vorhanden: Die Wassertemperatur steigt, die Tage werden länger und die Sonneneinstrahlung intensiver. Gleichzeitig sind andere Wasserpflanzen, die als Konkurrenz um Nährstoffe auftreten würden, noch nicht in Vollwachstum. Das Ergebnis ist ein biologisches Vakuum, das Schwebealgen sehr effizient füllen.
Hinzu kommt oft eine erhöhte Nährstoffkonzentration im Wasser – durch Fischbesatz, Fütterung, Faulschlamm am Boden oder Laubeintrag aus dem Herbst. Phosphat und Nitrat sind die wichtigsten Treibstoffe für Algenwachstum. Wer viel davon im Wasser hat, züchtet zuverlässig Schwebealgen.
Warum das Wasser dann riecht
Schwebealgen selbst riechen wenig, solange sie aktiv wachsen. Der Geruch entsteht vor allem in zwei Situationen: Wenn die Algenblüte abklingt und große Mengen absterben, sinken die toten Algenzellen auf den Boden und werden dort zersetzt – und dieser Abbau verläuft teilweise anaerob, mit allen bekannten Konsequenzen für den Geruch.
Die zweite Situation: Ein Teich voller Schwebealgen hat nachts ein ernstes Sauerstoffproblem. Tagsüber produzieren die Algen Sauerstoff, nachts verbrauchen sie ihn. Bei dichter Algenblüte kann das Wasser in den frühen Morgenstunden sauerstoffarm werden – was dann ebenfalls faulige Gerüche fördern kann.
Das erklärt, warum Teiche mit grünem Wasser besonders morgens stark riechen. Der nächtliche Sauerstoffabfall hat anaerobe Prozesse gefördert, und das macht sich olfaktorisch bemerkbar.
Was wirklich hilft – und was nicht
Was nicht hilft: Wasser wechseln. Frisches Wasser bringt neue Nährstoffe mit – und nach kurzer Zeit sind die Algen wieder da. Auch Algizide – also chemische Algenmittel – lösen das Problem nicht dauerhaft. Sie töten die bestehenden Algen ab, beseitigen aber nicht die Ursache. Schlimmer noch: Die massenhaft absterbenden Algen sinken auf den Boden, erhöhen die organische Last und verschlechtern damit langfristig die Situation.
Was hilft: Die Nährstoffkonzentration im Wasser senken. Das ist die einzige nachhaltige Lösung. Konkret bedeutet das: regelmäßige Teilwasserwechsel, Faulschlamm am Boden reduzieren, Fütterung der Fische einschränken, Laub draußen halten.
Unterwasserpflanzen sind dabei ein mächtiges Werkzeug, das häufig unterschätzt wird. Arten wie Tannenwedel, Wasserpest oder Hornkraut konkurrieren direkt mit den Algen um Nährstoffe und Licht – und sie wachsen schnell genug, um Schwebealgen effektiv zurückzudrängen. Ein Teich mit üppigem Unterwasserpflanzenbestand hat deutlich seltener massive Algenblüten.
Ein UV-Klärer kann die Trübung durch Schwebealgen sehr wirkungsvoll bekämpfen. Das UV-Licht tötet die einzelligen Algen ab, bevor sie sich weiter vermehren können. Das klärt das Wasser schnell und sichtbar. Was der UV-Klärer aber nicht tut: die Nährstoffe entfernen, die das Wachstum befeuern. Er behandelt das Symptom – nicht die Ursache. Wer den UV-Klärer ohne gleichzeitige Nährstoffreduktion betreibt, kämpft dauerhaft gegen die Algen an.
Eine Beobachtung, die viele überrascht
Viele Teichbesitzer stellen fest, dass ihr Teich im ersten Jahr nach dem Anlegen klar war – und ab dem zweiten oder dritten Jahr plötzlich jedes Frühjahr grün wird. Das liegt fast immer daran, dass der Nährstoffgehalt im Wasser mit der Zeit steigt: durch akkumulierten Schlamm, durch Fischbesatz, durch Fütterungsreste. Der Teich ist nicht schlechter geworden – er ist nur nährstoffreicher.
Wer das versteht, weiß auch, wo er ansetzen muss. Nicht bei den Algen selbst, sondern bei dem, was sie füttert.
