Wer einmal mit einem Stock oder einer Harke in den Teichboden gestochen hat und danach ein Wolke aus schwarzem, trübem Wasser aufsteigen sah – begleitet von einem Gestank, der einem förmlich entgegenkommt – der hat Faulschlamm in seiner reinsten Form erlebt. Es ist das wohl verbreitetste Problem bei Gartenteichen, und gleichzeitig das am häufigsten unterschätzte.
Faulschlamm entsteht still und über lange Zeit. Er sammelt sich Jahr für Jahr an, ohne dass man ihn sieht. Und er riecht erst dann, wenn etwas ihn aufwirbelt – oder wenn er so viel Raum eingenommen hat, dass das Gleichgewicht im Teich kippt.
Was Faulschlamm überhaupt ist
Der Begriff klingt einfach, beschreibt aber einen biologischen Prozess. Am Teichboden sammelt sich organisches Material: abgestorbene Pflanzenteile, Laub, Futterreste, Fischkot, Insekten, Pollen. Dieses Material wird zunächst von aeroben Bakterien abgebaut – also Bakterien, die Sauerstoff benötigen. Das funktioniert gut, solange genug Sauerstoff vorhanden ist.
Aber der Sauerstoffgehalt am Teichboden ist begrenzt. Unterhalb einer gewissen Schlammtiefe gelangt kaum noch Sauerstoff hin. Dort übernehmen anaerobe Bakterien – sie arbeiten ohne Sauerstoff und produzieren dabei Gase als Nebenprodukt: vor allem Schwefelwasserstoff und Methan. Schwefelwasserstoff ist das Gas, das nach faulen Eiern riecht. Methan ist geruchlos, aber ein Zeichen, dass der Abbau weit fortgeschritten ist.
Die schwarze Farbe des Faulschlamms kommt von Eisensulfid, das beim Kontakt von Schwefelverbindungen mit Eisenionen entsteht. Wer also schwarzen Schlamm am Teichboden sieht, hat in der Regel aktive anaerobe Prozesse darunter.
Woran man ihn erkennt
Das Offensichtliche zuerst: Wenn man mit einem Gegenstand in den Teichboden sticht und danach eine dunkle, trübe Wolke aufsteigt, ist das ein klares Zeichen. Der Schlamm am Boden sollte im gesunden Teich eher bräunlich und locker sein – nicht schwarz, nicht zähflüssig, nicht intensiv riechend.
Auch ohne in den Boden zu stechen lassen sich Hinweise finden. Eine Schlammschicht von mehr als fünf bis sieben Zentimetern ist bereits problematisch. Wer den Boden seines Teichs kaum noch erkennen kann – auch bei klarem Wasser – hat wahrscheinlich eine erhebliche Sedimentschicht angesammelt.
Ein weiteres Zeichen: Gasblasen, die aufsteigen, obwohl keine Pumpe oder kein Belüfter in der Nähe ist. Diese Blasen kommen aus dem anaeroben Abbau tief im Schlamm. Sie steigen besonders oft auf, wenn der Boden bewegt wird oder wenn sich das Wasser erwärmt.
Wie schnell entsteht Faulschlamm?
Schneller als die meisten denken. Ein mittelgroßer Teich ohne regelmäßige Pflege kann binnen zwei bis drei Jahren eine Schlammschicht von mehreren Zentimetern aufbauen – besonders wenn Bäume in der Nähe stehen, Fische gehalten werden oder die Fütterung großzügig ausfällt.
Laub ist dabei einer der größten Faktoren. Ein einzelner Herbst mit ungedecktem Teich kann mehr organisches Material einbringen als ein ganzes Jahr Fischkot. Wer also im Herbst kein Teichnetz verwendet, befeuert die Schlammbildung erheblich.
Was man dagegen tun kann
Faulschlamm verschwindet nicht von selbst. Er wird mit der Zeit nur mehr. Es gibt im Wesentlichen zwei Wege, ihn loszuwerden – und einen dritten, der das Wachstum verlangsamt.
Der direkteste Weg ist mechanisches Absaugen mit einem Teichschlammsauger. Das Gerät arbeitet ähnlich wie ein normaler Staubsauger, nur für den Teichboden. Man führt den Ansaugschlauch langsam über den Boden und saugt dabei Schlamm, Sediment und Detritus ab. Der Vorteil: Das Ergebnis ist sofort sichtbar, der Schlamm ist weg. Der Nachteil: Es ist Arbeit, und bei dicken Schlammschichten braucht man mehrere Durchgänge oder Sitzungen.
Der biologische Weg funktioniert über Teichbakterienpräparate. Dabei werden Kulturen von Bakterien in den Teich eingebracht, die speziell darauf ausgelegt sind, organisches Material aerob abzubauen. Sie beschleunigen den Abbau der Schlammschicht und produzieren dabei kein Schwefelwasserstoff. Das funktioniert am besten bei Wassertemperaturen über 10 Grad, ausreichend Sauerstoff und einem nicht zu weit fortgeschrittenen Schlammproblem.
Wichtig: Teichbakterien ersetzen keine mechanische Reinigung, wenn der Schlamm bereits sehr dick ist. Sie sind eher eine ergänzende Maßnahme oder eine Methode zur Vorbeugung. Wer eine zehn Zentimeter dicke Schlammschicht hat und nur Teichbakterien einwirft, wird wenig Veränderung bemerken.
Der dritte Weg ist, den Eintrag von organischem Material zu reduzieren – also die Ursache zu bekämpfen, nicht die Folge. Teichnetz im Herbst, abgestorbene Pflanzenteile regelmäßig entfernen, Fütterung kontrollieren. Das hält die Schlammschicht langfristig niedrig und macht die anderen Maßnahmen wirkungsvoller.
Was viele falsch machen
Ein häufiger Fehler: Den Teich komplett leerpumpen und den Boden mit dem Gartenschlauch abspritzen. Das klingt gründlich, zerstört aber die gesamte biologische Infrastruktur – nützliche Bakterien, Kleinstlebewesen, das aufgebaute Filtergleichgewicht. Der Teich muss danach von Null anfangen, und in dieser Einlaufphase sind Geruchsprobleme fast garantiert.
Ein weiterer Irrtum ist die Annahme, ein gut laufender Filter halte den Boden sauber. Der Filter klärt das Wasser, aber er saugt keinen Schlamm vom Boden ab. Sediment, das sich einmal abgesetzt hat, bleibt dort – egal wie gut der Filter arbeitet.
Regelmäßiges Absaugen einmal im Jahr, am besten im Frühjahr, ist die einfachste und wirkungsvollste Routine gegen Faulschlamm. Kombiniert mit einem Teichnetz im Herbst und gelegentlichem Einsatz von Teichbakterien lässt sich das Problem dauerhaft in Grenzen halten.
